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Franz Döhner war vieles, aber sicher kein gewöhnlicher Mann. Während ihn manche vornehm als
„Doyen der Literaten des Taubertals" bezeichneten, war er für die Allgemeinheit schlicht der "Schollenhupser".
Mit seinen humorvollen Mundartgedichten und einem Lebenslauf, der die Dramatik eines Abenteuerromans
birgt, hat er sich fest in das Gedächtnis der Region eingetragen. Am 27. Juni 1926 - also genau vor 100 Jahren -
wanderte er nach Argentinien aus. Geboren am 21. Juni 1897 in Dörlesberg, wuchs Döhner in kleinbäuerlichen
Verhältnissen auf und verdiente sein Brot zunächst als Dienstknecht, Waldarbeiter und Steinklopfer.
Nach schweren Verletzungen im Ersten Weltkrieg schaffte er über den zweiten Bildungsweg den Abschluss
als Diplom-Landwirt in Stuttgart-Hohenheim. Die wirtschaftliche Not der Nachkriegszeit bot ihm als
Landwirtschaftslehrer in Boxberg jedoch kaum eine Existenzgrundlage. Angesichts schlechter Verdienstmöglichkeiten fasste er einen kühnen Entschluss: die Auswanderung nach Südamerika.
Am Morgen des 27. Juni 1926 verabschiedeten sich in Dörlesberg viele Menschen von Franz Döhner,
seinem Schwager Josef Ott und seinem Freund Karl Väth. Die Musikkapelle spielte am Bahnhof in Reicholzheim
,,Muss i' denn zum Städtele hinaus', als das Trio im Wandererwagen abzog: Nach einer 28-tägigen Seereise
inklusive Äquatortaufe auf dem Dampfer „Madrid" erreichten sie Buenos Aires, wo Döhner zuerst das
,,angeborene Lächeln" der Argentinier erlernte. Ziel war die Erdölkompagnie „Astra" im patagonischen
Comodoro Rivadavia. Sieben Jahre verbrachte Döhner in diesem von Darwin als „Teufelserde" getauften
Wüstenland, das von verfinsternden Sandstürmen, aber auch von Fata Morganas geprägt war.
Er arbeitete als Schreiber im Lagerraum und hielt die raue Natur in Gedichten fest. Auf Sonntagsjagden mit dem
offenen „Campauto" erlegten sie zentnerschwere Guanacos, während Pumas, Strauße und extreme Trockenheit ständige Begleiter waren. Ein Höhepunkt war eine Expedition zur "Loveria", dem Reich der Seelöwen, wo tausende
Tiere im Rhythmus der Natur ihre Jungen gebaren und Döhner die unberührte Urgewalt der Schöpfung hautnah
dokumentierte. Über diese Reise veröffentlichte Franz Döhner sein berührendes und zugleich spannendes
Tagebuch "Kolonist unter Gauchos". Auszüge daraus hat diese Zeitung 1988 veröffentlicht.
1933 kehrte er zurück, heiratete und wurde nach Stationen im Schwarzwald ab 1947 Leiter der Bodenschätzerstelle
des Finanzamtes in Tauberbischofsheim. Die dortige Beamtentätigkeit bremste seinen Geist jedoch nicht. In der
Nachkriegszeit avancierte er zum sprachgewaltigen Chronisten des Alltags. Gedichtbände wie "Heckenrosen"
oder seine Jugenderinnerungen "Beichte eines Lausbuben" machten ihn weit über die Stadtgrenzen hinaus
populär. Seine Fähigkeit, das Zeitgeschehen humorvoll in regionaler Mundart einzufangen, brachte ihm später,
staatliche Ehren ein: 1977 gewann seine Arbeit "Die Wohnstätten meines Lebens" den ersten Preis bei einem
Autorenwettbewerb der baden-württembergischen Landesregierung.
Der Süddeutsche Rundfunk strahlte Hörspiele von Franz Döhner aus, und er hielt unzählige Mundartvorträge.
Sein Sohn Melchior Döhner veröffentlichte 1988 im Frankonia-Verlag das Buch „Der Schollenhupser - Erzählungen
und Gedichte aus Tauberfranken in Hochdeutsch und Mundart".
Das Auswandern ist auch heute noch ein hochaktuelles Thema - allerdings sind die Bedingungen in den meisten
Fällen gewiss nicht so beschwerlich wie bei Döhners Reise. Der Blick auf sein Leben zeigt eine faszinierende
Symbiose von Heimatverbundenheit und Pioniergeist. Franz Döhner hat bewiesen, dass man die eigene Scholle
verlassen kann, um die Welt zu entdecken - und gerade dadurch lernt, die Heimat neu zu schätzen.
© Fränkische Nachrichten, 27.6.2026