Verdienter Bürger der Stadt - im März wäre Heinz Auner 100 Jahre alt geworden

Das kulturelle Leben in der Stadt geprägt.

Heinz Auner hat bis heute seine Spuren hinterlassen: Die Serenaden im Kreuzgang in Bronnbach,
die Richard-Trunk-Musikschule und das Glockenspiel am Rathaus - all das hat er (mit-)initiiert.
Darüber hinaus hat er in den gut 30 Jahren seines Wirkens das kulturelle Leben in Tauberbischofsheim
und weit darüber hinaus wesentlich geprägt. Am 21. März wäre er 100 Jahre alt geworden.

1965 hatte Heinz Auner sich von Mannheim nach Tauberbischofsheim versetzen lassen.
Er wirkte hier bis zu seiner Pensionierung 1984 als beliebter Pädagoge am Mathias-Grünewald-Gymnasium,
wo er ein breites Betätigungsfeld fand.

Zehn Kinderopern
So entstanden in dieser Zeit zehn Kinderopern wie beispielsweise „Der gestiefelte Kater"
oder „Des Kaisers neue Kleider" oder „Der kleine Muck". Auner schuf außerdem Abitur-Kantaten
für die Abschlussfeiern der jeweiligen Jahrgänge, Weihnachtsgeschichten, die bei den Adventsmusiken
in der Schlossdiele aufgeführt wurden, und den „Didacto Computer", der auch in Bronnbach zu hören war.
Dazu kamen noch zahlreiche Kompositionen für Orgel und Orchester.

Lehrer und Schüler wusste er gleichermaßen fürs Theaterspiel zu begeistern. Unter seiner Regie
wurden verschiedene Dramen, Gruselkomödien und Marionettentheater aufgeführt.
Er stand aber auch selbst gern auf der Bühne - etwa in „Heiraten ist immer ein Risiko"
oder „Der eingebildete Kranke" mit dem Lehrer-Theater in Bronnbach oder Jean Anouilhs
„L' orchestre" beim Kunstverein im Engelsaal.

Auch in Tauberbischofsheim setzte Auner seine Konzerttätigkeit fort. Paris, Mannheim, Schussenried
und Pforzheim waren dabei wichtige Stationen. Daneben war er in den 1960er Jahren Chorleiter
des evangelischen Singkreises (Vorläufer der evangelischen Kantorei), später Interimsdirigent beim Liederkranz
und Leiter des 1976 vom ihm gegründeten Kammerchors (bis 1994).

Serenaden im Kloster
Eng mit seinem Namen verbunden sind, wie schon erwähnt, die Serenaden im Kreuzgang in Bronnbach,
wo er zunächst mit dem Schulchor und -orchester des Mathias-Grünewald-Gymnasiums,
später mit dem Kammerchor und diversen Instrumentalensembles Konzerte, Opern und Singspiele aufführte.
Dabei standen etwa Carl Orffs „Carmina Burana", ein Mozart Gedenkabend oder Auners „Kleider machen Leute"
mit dem Textbuch von Irmel Hasenbusch auf dem Programm.

Dorthin und zu den rund 50 Konzerten in der Wehrkirche in Urphar kamen Gäste oft von weither
(Frankfurt, München oder Hannover), um bei Auners Aufführungen dabei sein zu können. Dazu kamen noch
zahlreiche weitere Aufführungen im gesamten Main-Tauber-Kreis.

Auszeichnungen
Durch sein fundiertes Wissen, seinen Humor (den er sich trotz allem bewahrt hatte) und seiner überspringenden
Begeisterungsfähigkeit hatte er zahllosen Menschen - jüngeren wie älteren - die Liebe zur Musik beigebracht
und nicht wenige seiner Schüler machten die Musik zu ihrem Beruf. Öffentliche Anerkennung fand Heinz Auner
für seine Tätigkeit und sein Engagement mit der Verleihung der Bundesverdienstmedaille 1976
und dem Bundesverdienstkreuz am Bande 1981.

Geboren wurde Heinz Auner am 21. März 1921 in Frankfurt/Main. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er
mit seinen Eltern dann in Berlin. Schon früh entdeckte er seine Liebe zur Musik, spielte Klavier und Orgel
schon ab dem zwölften Lebensjahr im Gottesdienst, sang im Rundfunkchor und wirkte mit 15 bei Konzerten
des Deutschlandsenders mit.

„Verlorene Jahre"
Der Zweite Weltkrieg machte dieser Leidenschaft zunächst ein Ende. Nach Kriegseinsätzen in Polen,
Frankreich und Russland, wo er mehrfach verwundet und sogar schon für tot erklärt worden war,
geriet er schließlich in Estland in russische Kriegsgefangenschaft (bis Ende 1949). Erfahrungen, die ihn geprägt
hatten und noch lange Jahre später voll Verbitterung über die „verlorenen Jahre" zur Sprache kamen.

1950 konnte er mit einem Stipendium des Berliner Senats an der Freien Universität Berlin Kirchenmusik,
Schulmusik und Geschichte studieren, war dann drei Jahre Kantor an der Grunewaldkirche
und kam schließlich nach Mannheim ans Bachgymnasium.

Auch dort war er wieder im Rundfunk tätig, gab Konzerte in in Frankreich und war Cembalist
und Schriftleiter bei de Schallplattenfirma „Da Camera".

Heinz Auner war langjähriges Mitglied der Tauberfränkischen Heimatfreunde e.V.
Er starb am 30. Juni 1999 vermutlich an den Folgen eines Schlaganfalles.

© Fränkische Nachrichten, aba, Samstag, 21.03.2021